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Johanniskraut – Sammeln, Verarbeiten und was zu beachten ist

3 Min. Lesezeit · Saison: Sommer · 5. Juni 2026

Johanniskraut – Sammeln, Verarbeiten und was zu beachten ist

Johanniskraut (Hypericum perforatum) blüht rund um den Johannistag (24. Juni) in leuchtendem Gelb. Es ist eine der am besten erforschten Heilpflanzen Europas. Untersucht wurden dabei allerdings standardisierte Extrakte in kontrollierter Dosierung – nicht selbst gesammeltes Kraut, bei dem sich weder Wirkstoffgehalt noch Menge zuverlässig bestimmen lassen.

Inhaltsstoffe und was ihnen zugeschrieben wird

Johanniskraut enthält:

  • Hypericin – stimmungsaufhellend, antiviral; färbt das Rotöl dunkelrot
  • Flavonoide – entzündungshemmend, beruhigend
  • Gerbstoffe – wundheilend, äußerlich anwendbar

Traditionell verwendet bei: leichten Verstimmungen, innerer Unruhe, Schlafproblemen, Nervenschmerzen (äußerlich), Wunden und Verbrennungen (äußerlich).

⚠️ Wechselwirkungen – bitte vollständig lesen

Johanniskraut ist kein harmloses Kräutlein: Es ist die Heilpflanze mit den meisten bekannten Wechselwirkungen. In der Leber beschleunigt es den Abbau zahlreicher Medikamente und schwächt dadurch deren Wirkung ab.

Betroffen sind unter anderem:

  • Hormonelle Verhütungsmittel – bis hin zum Verlust des Empfängnisschutzes
  • Gerinnungshemmer (z.B. Marcumar)
  • Immunsuppressiva
  • Bestimmte HIV-, Krebs- und Herzmedikamente
  • Antidepressiva

Außerdem kann Johanniskraut die Haut lichtempfindlicher machen. Bei innerlicher Anwendung deshalb intensive Sonneneinstrahlung und Solarium meiden – besonders bei heller Haut.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut nicht ohne Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheker anwenden.

Depression gehört in ärztliche Behandlung

Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und gehört ärztlich behandelt – Johanniskraut ist dafür kein Ersatz. Auch wenn Niedergeschlagenheit, innere Unruhe oder Schlafprobleme länger anhalten: Das gehört abgeklärt, statt es auf eigene Faust zu behandeln.

Woran du Johanniskraut erkennst

Zwei Merkmale sind typisch:

  1. Blütenblatt zwischen den Fingern zerreiben – es färbt sich dunkelrot bis violett. Das ist das Hypericin.
  2. Blatt gegen das Licht halten – es zeigt helle Punkte (Öldrüsen) und manchmal dunkle Punkte an den Rändern.

Beide Merkmale zusammen sprechen für Johanniskraut. Prüfe trotzdem immer mehrere Merkmale und nimm dir Zeit: Auf denselben trockenen, sonnigen Standorten wächst zum Beispiel auch das gelb blühende Jakobs-Greiskraut, das lebertoxische Pyrrolizidinalkaloide enthält und weder in den Tee noch ins Öl gehört. Was du dir nicht zuordnen kannst, bleibt stehen.

Wann & wie ernten

Beste Erntezeit: Juni bis August, rund um den Johannistag – wenn die Pflanze gerade aufblüht und noch Knospen trägt. Dann ist der Wirkstoffgehalt am höchsten.

Was ernten: Die obersten 10–15 cm mit Blüten, Knospen und Blättern. Nur von Pflanzen an trockenen, sonnigen Standorten – Wegränder, Böschungen, Magerwiesen.

Nicht sammeln: An gedüngten Wiesen, Straßenrändern oder schattigen feuchten Stellen.

Johanniskrautöl selbst herstellen – der Klassiker

Das rote Johanniskrautöl lässt sich mit wenig Aufwand selbst ansetzen.

Zubereitung:

  1. Frisch geerntete Blüten und Knospen in ein sauberes Glas füllen (nicht trocknen – frisch verwenden!)
  2. Mit hochwertigem Olivenöl oder Mandelöl bedecken, alle Pflanzenteile müssen unter dem Öl sein
  3. Glas verschließen und 4–6 Wochen an einem sonnigen Fenster stehen lassen – täglich leicht schütteln
  4. Das Öl färbt sich langsam dunkelrot – das ist ein gutes Zeichen
  5. Abseihen, in dunkle Flaschen füllen

Haltbarkeit: 1–2 Jahre kühl und dunkel gelagert.

Traditionell verwendet: äußerlich bei Muskelverspannungen, Nervenschmerzen, Prellungen, leichten Verbrennungen und Narben. Nicht auf Wunden im Gesicht vor Sonnenexposition.

Innerliche Anwendung

Tee – 1–2 TL getrocknete Blüten und Blätter, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen.

Tinktur – frische Blüten in 40–50% Alkohol ansetzen, 4–6 Wochen ziehen lassen, abseihen.

Trocknen & Haltbar machen

Blüten und Blätter locker ausgebreitet bei max. 40°C trocknen – nicht zu dick schichten, sie schimmeln leicht. Dunkel und trocken lagern.

Haltbarkeit: 1 Jahr. Danach verliert das getrocknete Kraut deutlich an Wirkstoffgehalt.

Dieser Artikel stammt aus der Ernterei-App. Dem Tagebuch für alle, die selber machen: Garten, Ernte, Vorrat, Rezepte und über 140 Wissensartikel – kostenlos für iPhone und Android.