Wasserdost & Rainfarn – erkennen, aber nicht essen
Nicht jede Wildpflanze, die einen Platz im Album verdient, gehört auch in den Kochtopf. Wasserdost und Rainfarn sind zwei Wegesrand-Klassiker mit echtem Nutzen – nur eben nicht als Lebensmittel.
Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
- Erkennen: Bis zu 1,5 m hohe Staude mit rötlichen Stängeln und großen, rosa-violetten Blütendolden von Juli bis September; wächst gern an feuchten Standorten – Bachufer, Gräben, Feuchtwiesen. Der alte Name „Hanfdost" kommt von den gefingerten Blättern, die entfernt an Hanf erinnern – botanisch aber nicht verwandt
- ⚠️ Nicht zum Verzehr: Wasserdost enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können. Auch traditionelle Tee-Anwendungen werden heute nicht mehr empfohlen – die Pflanze bleibt stehen, statt in die Tasse zu wandern
- Warum trotzdem sammelnswert: Kaum eine heimische Pflanze zieht so viele Schmetterlinge an – Admiral, Schwalbenschwanz und Tagpfauenauge tanken hier Nektar. Ein Eintrag im Tagebuch lohnt sich, das Pflücken eher nicht
Rainfarn (Tanacetum vulgare)
- Erkennen: Kniehohe bis hüfthohe Staude mit fein gefiederten, farnähnlichen Blättern und charakteristischen gelben Blütenknöpfen (keine Blütenblätter, nur die Röhrenblüten) von Juli bis September. Beim Zerreiben intensiver, kampferartiger Geruch
- ⚠️ Nicht zum Verzehr: Rainfarn enthält Thujon, das in größeren Mengen giftig ist – bis hin zu Krampfanfällen. Innerlich sollte er nicht angewendet werden, auch wenn ältere Kräuterbücher das noch anders sahen
- Traditionelle Nutzung: Getrocknete Sträuße oder kleine Leinensäckchen mit Rainfarn im Vorratsschrank oder Kleiderschrank halten zuverlässig Lebensmittelmotten und andere Insekten fern – eine der ältesten Formen des natürlichen Mottenschutzes
Warum trotzdem im Album?
Das Ernterei-Album ist kein reines Kochbuch, sondern ein Naturtagebuch: Wer eine Pflanze kennenlernt und weiß, wofür sie gut ist – und wofür eben nicht –, hat mehr gelernt als beim bloßen Vorbeigehen. Genau das gehört für uns dazu.